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Interviews
www.enemy.at
16. April 2009
Teufelskreis haben wir beim Local Heroes kennengelernt: sympathische,
auffallende Musiker (da sie immer ihr komplettes Merch mithaben ;).
Besonders gut finden wir, dass sie sich nicht nur um ihre eigene Musik
kümmern, sondern auch soziale Kompetenz und Engagement zeigen, aber
darüber erzählen sie im Interview mehr:
Enemy: Wie seid ihr auf die Idee gekommen beim Local Heroes
mitzumachen - und welches Ziel hattet ihr dabei vor Augen?
Friedl/Belze: Der Grund war eigentlich, meine neue Band Teufelskreis und
unsere aktuelle cd "spuren der vergangenheit" zu promoten . Erwartet haben
wir uns da nichts, da wir davon ausgegangen sind, dass bei Bandcontests
grundsätzlich "junge" Bands gefördert werden. Dass wir es bis ins
Ostfinale geschafft haben, ehrt uns natürlich sehr. Für das Finale hat es
dann wohl doch nicht gereicht.
Dieselchrist: Ähm, Belze hat uns angemeldet. Erwartungen? Keine, ich lass
mich gern überraschen.
Enemy: Am Ostersamstag wart ihr beim Ostfinale vom Local Heroes
dabei - wer von euch hat gefastet? ;)
Friedl/Belze: Alle! wir mussten noch mit den eigenen Autos nach Hause
fahren und haben deshalb nichts getrunken (lacht).
Enemy: Befindet ihr euch in einem Teufelskreis oder seid ihr der
Teufelskreis?
Friedl/Belze: Beides. Es gibt niemanden, der nicht den ein oder anderen,
kleinen oder großen, harmlosen oder gefährlichen, süßen oder sauren
Teufelskreis mit sich rumschleppt.
Dieselchrist: Uns geht es da nicht besser oder schlechter als anderen
Leuten. Wir verstricken uns auch immer wieder in bestimmten Situationen.
Mittlerweile kann ich persönlich damit umgehen, ich habe mich in den
letzten Jahren sehr gut kennengelernt.
Enemy: "[...] Genau dann brauchst du Hilfe von jemandem, der deine
Situation kennt. Genau dann betrifft Teufelskreis die Bühne." - Ist es
nicht Paradox, von Teufelskreis aus einem Teufelskreis geholt zu werden?
Friedl/Belze: Wenn man es wörtlich nimmt und aus dieser Himmelsrichtung
betrachtet, dann schon. Ein Teufelskreis ist eine schwer zu
durchbrechende,
unangenehme Situation. Ich sehe mich da mit meinen Texten eher provokant
gegenüber Menschen, die nicht merken, in welchem Teufelskreis und wie
lange sie sich schon darin befinden. Genau dann betreten wir die Bühne um
den tiefsinnigen Wahnsinn der Wirklichkeit zu präsentieren.
Dieselchrist: "Fight fire with fire" würd ich sagen. Manchmal muß man die
Leute schon mit dem Kopf auf ihr Problem stoßen, damit sie's realisieren.
Enemy: In eurem Pressetext steht "Wir sind nicht die, die ihr
glaubt, die wir sind" - Wer seid ihr denn? Und vor allem: Seid ihr im
"echten Leben" richtige Bankangestellte und ganz normale Familienväter? ;)
Friedl/Belze: Dieser Satz ist auf das "die,.." bezogen. Ich will damit
sagen, dass niemand wirklich weiß, wer er wirklich ist. Er könnte aber
auch bedeuten, dass keiner so wirklich weiß, wen er wirklich vor sich hat.
Darum könnte es auch heißen: ich bin nicht der, der ihr glaubt, der ich
bin. Mir gefällt, dass der Spruch so wirklich nicht verstanden wird. Ein
Teufelskreis halt.
Im echten Leben wären wir vor allem gerne erfolgreiche Bankräuber oder
erfolgreiche Musiker (lacht). Ich bin nur Musiker und erfolgreicher
Familienvater. Ronny ist Friseur-Meister, Chris Computertechniker und
Vater und Roman ist im Großhandel tätig. Jeder einzelne ist aber ein
hervorragender Musiker und auch in mehreren Projekten tätig.
Dieselchrist: Jeder hat verschiedene Seiten und verhält sich in
verschiedenen Situationen gegenüber verschiedenen Leuten in verschiedener
Umgebung eben verschieden. Man kann nie genau wissen, wie jemand wirklich
ist. Oft erkennt man sich selbst erst in Extrem-Situationen und kann an
einer Verbesserung arbeiten. Wer das nicht realisiert, dem ist nicht zu
helfen.
Enemy: Ihr seid ja nicht nur Musiker auf der Bühne - sondern
teilweise auch Väter. Was sagen eure Kinder dazu und haben sie euch schon
mal live als Teufelskreis erlebt?
Friedl/Belze: Meine 9-jährige Tochter Sabrina ist mein größter Fan. Sie
verkauft die aktuelle cd von Teufelskreis in der Schule an Lehrer und
Schüler. Die cd wurde dort so richtig eine Stunde lang gespielt und die
Kinder haben auf den Tischen getrommelt und gerockt. Live war bis jetzt
noch nichts möglich. Der Lärmpegel wäre für meine 15 Monate junge Tochter
Aline und wie schon erwähnt Sabrina eine Zumutung. Sabrina schaut sich
aber mit Begeisterung jedes mitgeschnittene Video an und Aline schwingt die
Hüften dazu. Unser jüngster Live-Fan ist 12 Jahre und unsere ältester 62
Jahre alt. Bemerkenswert, oder?
Dieselchrist: Mein Sonnenschein Tristan (4 Jahre) meint: "Papi, deine
Musik ist cool." Das tut echt gut.
Enemy: Wie entstand die Geschichte mit den Happykids?
Friedl/Belze: Als das Projekt in meinem Kopf zu wachsen begann, war mein
zweiter Gedanke: wenn ich das wirklich durchziehe, dann möchte ich mich
auf diese Art, wie es geschehen ist, einsetzen. Ich habe auch an
Frauenhäuser und Obdachlose gedacht. Auf Happykids kam ich durch meine
Frau. Als ich gerade auf der Suche nach einem Institut war, machte sie
mich auf eine Werbung des Vereins aufmerksam. Ich schaute mir die Homepage
an und war überzeugt, dass ein Verein, der Prävention leistet,
Wegbegleitung anbietet und pädagogische Projekte durchführt, das Richtige
ist. Als ich diese Leute dann persönlich kennenlernte, war ich dankbar,
die richtige Entscheidung getroffen zu haben. In weiterer Folge wird es in
diesem Jahr auch noch ein Benefizkonzert zu Gunsten misshandelter Frauen
und Kinder geben.
Dieselchrist: Es gibt eine Menge Leute, die auf Hilfe angewiesen sind.
Gerade in Zeiten wie diesen, wo Partei- und Firmenbonzen ihre Hälse nicht
vollkriegen und wir alle dieses System finanzieren und manche einfach auf
der Strecke bleiben. Für Kinder ist es besonders schlimm, sie können
nichts dafür und müssen die Suppe auslöffeln. Kinder sind unser Kapital
für die Zukunft.
Enemy: Gibt es momentan einen Song, den ihr am liebsten auf der
Bühne spielt - und warum?
Friedl/ Belze: Soweit ich das im Namen der Band beurteilen darf, spielen
wir momentan jeden einzelnen Song gerne. Es ist für uns verdammt
schwierig, eine Setliste zu erstellen, da jeder Song Livefeeling hat. Das
absolut geilste ist aber wenn die Leute die Songs mitsingen. Und das
machen sie "volle press" ohne Rücksicht auf Verluste. Obwohl wir unsere cd
erst seit Rocktober 2008 präsentieren.
Dieselchrist: Ich mag auch alle.
Enemy: Was hat es mit dem Ritual vor euren Auftritten auf sich -
und was macht ihr da genau?
Friedl/Belze: Wir bilden durch den legendären Metalgruß mit den Fingern
einen Teufelskreis. Auch zu sehen auf unserer cd und Homepage
www.teufelskreis.at. Er schweißt uns als Band zusammen und soll uns bei
dem darauf folgenden Konzert Glück bringen. Ich habe aber auch schon
gehört, dass wir Satanskult betreiben. Finde ich sehr amüsant.
Dieselchrist: Das Ritual symbolisiert, dass wir für die nächste Stunde
eine Einheit sind.
Enemy: Was würdet ihr euren Fans zum Abschluss sagen, habt ihr eine
Message?
Friedl/Belze: Das trifft sich gut. (lacht) Ich habe vor ein paar Tagen
jeden einzelnen Song der cd in einen Satz verfasst.
Denkt immer daran:
Leben und Leben lassen, sonst seid ihr VERLOREN, da ihr dann EIN LEBEN LANG,
ZERISSEN durchs LEBEN geht und GEFANGEN in der EIFERSUCHT ein VERLORENES
SPIEL spielt, so das IM ANGESICHT der SCHEIN-TOD dafür sorgt das es VORBEI
ist bevor es angefangen hat. |